Zanderbrut in der Fischzucht

10. 12. 08
posted by: Rüdiger Grossmann
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Anfütterung der Zanderbrut

Im Zuge der Frühbrutgewinnung 2007 möchte ich an dieser Stelle die Anfütterung der jungen Zanderbrut beschreiben:

Mit der Anfütterung der Larven wird begonnen, wenn sich die Maulspalte geöffnet hat. Das ist bei einer Wassertemperatur von 16 bis 18 °C in der Regel 4 bis 5 Tage nach dem Schlupf der Fall. Bis zu diesem Zeitpunkt ernähren sich die Larven von ihrem Dottersack und der in ihr befindlichen Ölkugel. Zur Zanderbrutanfütterung wird ein Startfutter benötigt, welches ständig verfügbar ist. Es sollte sich im Wasser bewegen, so dass die Larven es wahrnehmen und danach schnappen können. Das Futter muss für die Jungfische leicht zu fangen und zu verdauen sein. Für diese Anforderungen eignen sich besonders Artemia Nauplien (Larven).

Sie lassen sich jederzeit in der erforderlichen Menge erbrüten, sind nicht räuberisch und lassen sich von der Fischbrut leicht fangen. Artemia sind kleine Salzkrebschen, die zur Gattung der Kiemenfüßer gehören. Sie kommen natürlich in den Salzseen der Erde vor und können bis zu 15mm groß werden. Die Artemia-Nauplien sind sehr weichschalig und können daher leicht verdaut werden. Die Erbrütung der Artemia (Dauereier) dauert im Salzwasser (2,5 bis 3 %) bei 28°C ca. 18 bis 24 h. Die Erbrütung erfolgt in großen, konisch gearbeiteten Behältern, die am Boden einen durchsichtigen Trichter mit einem Ablasshahn haben. Durch Luftausströmersteine wird eine stetige Verwirbelung des Wassers und somit die Sauerstoffversorgung der Eier bewirkt.

Nach ca. 20 h werden die ersten Artemia "abgefischt". Hierzu werden die Behälter dunkel verhangen und am Trichter ein Halogen-Spot befestigt. Nach dem Abstellen der Luft beginnen sich die frisch geschlüpften Larven am Trichterablauf in großen Schwärmen zu sammeln. Jetzt werden sie in einen schwarzen Eimer gelassen und unter eine Neonröhre gestellt. Die Artemia beginnen wieder zum Licht zu wandern und können nach kurzer Zeit an der Oberfläche mit einem Gazekescher abgekeschert werden.

Die Artemia Nauplien können jetzt verfüttert werden. Hierzu verwenden wir Futterautomaten, welche eigens für die Artemiaverfütterung entwickelt wurden. Die Fütterung mit Hilfe der Futterautomaten erfolgt regelmäßig und in bestimmten Zeitabständen. Um ein schnelles Wachstum der Fische zu gewährleisten, ist eine hohe Nahrungsdichte erforderlich. Im Süßwasser sterben die "Salzkrebschen" allerdings nach wenigen Stunden ab. Abgestorbene Artemia müssen abgesaugt werden, denn am Boden faulendes Futter ist ein idealer Nährboden für Bakterien. Die Reinigung des Beckenbodens ist eine zeitaufwendige, aber sehr wichtige Arbeit, da die Zanderbrut empfindlich auf mangelnde Beckenhygiene reagiert. In diesem Jahr wurden die kleinen Zander drei Wochen lang mit Artemia gefüttert und danach auf Trockenfutter umgestellt.

Zanderrogner mit prall gefülltem Bauch.

Artemiaerbrütung in Zugergläsern

 

Zanderbrut 2 Tage alt.

Zanderbrut 20 Tage alt.

Fotos von den Zandern und der Brut : Walter Schauer - Fischmeister auf Gut Waldschach.

 

Quelle: Institut für Binnenfischerei e.V. Potsdam-Sacrow
Im Königswald 2
14469 Potsdam
Tel: 033201-4060