Störzucht

14. 07. 16
posted by: Rüdiger Grossmann
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Störzucht

Störzucht der Firma-Fischzucht Eco Ras in Armenien

 

Als Wilhelm Grube, der Urgroßvater vom heutigen Fischer Grube in Fliegenberg seinen Fischerkahn festmachte und einen Stör von 3 Meter Länge im Boot hatte, war das auch schon 1920 eine Sensation und Dorfgespräch. Nicht weil der Fisch so groß war, sondern weil er erst einmal eine Schottsche Karre zum Anleger bringen musste um dieses Urvieh ab zu transportieren. Von den 3 Kisten Lachs, die er auch noch fing sprach man sowie so nicht, das war nichts Besonderes.

Wenn im Frühjahr der Stint zum ablaichen in die Elbe zog, gab es davon soviel, dass die Schweine der Fischer und Bauern kurz davor waren an einer Fischvergiftung zu sterben. Überschüssige Stinte und davon gab es reichlich wurden zur Düngung der Ackerflächen genommen.

Es gab ein Gesetz das den Hausangestellten nur Drei mal die Woche Lachs und Stör zur Verpflegung gegeben werden durfte.

Ich schreibe hier von einer Zeit als die Industrialisierung noch nicht soweit fortgeschritten war wie Heute.

Größtenteils bestand der Schiffsverkehr in den großen Häfen noch aus Segelschiffen, die Flüsse waren noch nicht begradigt und vertieft. Das Flusswasser schmeckte noch nach Wasser und nicht nach Antibiotika und Antibabypillen.

Laichfische die, in die großen Flüsse vom Meer herein zogen, fanden noch den Ort ihrer Geburt problemlos wieder.

Der Stör, den es in großen Mengen gab wurde nicht allein seines Kaviars wegen befischt und auch nicht weil sein Fleisch eine Delikatesse war, sondern einzig und allein, weil er der Ernährung der einfachen Bevölkerung diente.

Der Kaviar wurde immer schon gegessen, war aber bis dahin nur einem kleinen Kreis der Bevölkerung zugänglich. Das änderte sich am Anfang der Zwanziger Jahre als die Weltwirtschaft nach dem ersten Weltkrieg am Boden lag und eine neue Bevölkerungsschicht entstand. Die Erste Generation der Kriegsgewinnler fand es schick im Überfluss zu leben, die berühmten Zwanziger Jahre. Das Geld aus dem Schwarzhandel veränderte die Gesellschaft, die bis dahin nur aus immer schon Reichen- und immer schon Armen bestand.

Jetzt konnten auch andere den Luxus genießen Kaviar mit Blinis zu essen und dazu Champagner zu trinken.

Durch den Anstieg der Kaviar Produktion und dem Weltweiten Aufschwung der Wirtschaft, nach dem ersten Weltkrieg, wurden immer mehr Störe gefangen. Das Fleisch war für die Bevölkerung immer noch minderwertig und wurde sicherlich oftmals an das Vieh verfüttert.

Die große Industrialisierung der Wirtschaft in den Dreiziger Jahren, führte schon damals zu den ersten großen Umweltverschmutzungen. In den Häfen sah man nur noch vereinzelt Segelschiffe. Die große Zeit der Motorschiffe war nicht mehr aufzuhalten. Motorschiffe brauchen Treibstoff und Öl für die Schmierung. Da es noch keinen Umweltschutz gab und sich darüber auch noch keiner Gedanken machte, schritt der Untergang der Flüsse stetig voran. An die großen Ströme wurden Fabrikanlagen gebaut, da man hier den Abtransport der produzierten Ware schneller bewältigen konnte. Die ersten Abwasser gelangten so in die Gewässer. Um die Ware noch schneller an Mann zu bringen wurden die ersten Flüsse begradigt und vertieft.

Ende der Dreiziger Jahre gab es für unsere Verhältnisse heutzutage immer noch reichlich Fisch in den Gewässern, das nahm sogar in den Vierzigern noch wieder zu, da in Deutschland und Europa der Zweite Weltkrieg tobte und der Schiffsverkehr bis auf die Kriegsschiffe abnahm.

Ende des Zweiten Weltkrieges gab es soviel Fisch wie schon lange nicht mehr und es gab Fisch im Überfluss. Einerseits durch den Krieg, da es keinen oder kaum einen Fischfang gab. Andererseits durch den massiven Abbau der Bevölkerung, da se im Krieg viele Millionen Tote zu beklagen gab.

Mit dem Weltweiten Aufschwung der Fünfziger Jahre und wieder steigender Bevölkerung nahm der Fischkonsum wie auch die Industrialisierung wieder zu. Jetzt wollte die Bevölkerung das Leben in allen Zügen genießen.

Der Wirtschaftsboom der Fünfziger und Sechsziger Jahre brachte uns die Größten Umweltverschmutzungen, die wir bis dahin hatten. Der Fischbestand in den Flüssen nahm rapide ab. Chemische Fabriken sorgten dafür, dass es im Rhein in den Siebzigern nicht einen einzigen Lachs mehr gab.

Mit dem Stör und anderen sensiblen Fischarten, ging es rasch zu Ende. Kaviar wurde nach dem Krieg wieder reichlich verzehrt, allerdings kamen die Störe jetzt nicht mehr aus heimischen Gewässern sondern aus Russland und Persien.

Der Weltweit steigende Konsum nach diesem Luxus Artikel brachte die Wildfischbestände in Russland und Persien an den Rand der Ausrottung. Noch Heute werden Störe am Kaspischen und Schwarzen Meer gefischt. Die Staatlichen Kontrollen und Fangbegrenzungen fassen hier leider nicht, da mit einem Stör mehr Geld zu verdienen ist als mit einem Polizei Gehalt.

Seit einiger Zeit werden Störe im großen Maße gezüchtet, da der Kaviar Verzehr nicht weniger geworden ist, ganz im Gegenteil, inzwischen mutiert der Kaviar zum Massen Produkt. Selbst in den großen Supermarktketten wird schon echter Kaviar angeboten. Mit dem - Falschen -  vom Seehasen gibt sich keiner mehr zufrieden.

Durch moderne Zuchtmethoden, meist in Kreislaufanlagen auf der ganzen Welt ist es kein Problem mehr, genug Kaviar zur Verfügung zu stellen. Es gibt inzwischen schon so viele Fischzuchten, die Kaviar produzieren, dass die Preise für dieses Luxusprodukt schon wieder sinken. Der Markt bestimmt den Preis, das wissen wir. War der Stint früher Dünger, wird er heute als Spezialität in den Restaurants verkauft. Das Gleiche könnte auch wieder mit dem Stör passieren, dann wären wir wieder am Anfang dieses Berichts.

Es ist nur schade, das der Stör bei uns so gut wie ausgerottet ist. Erste Besatzmaßnahmen lassen wieder hoffen aber den Stand wie vor hundert Jahren bekommen wir nie wieder.

Eientnahme beim Stör. Hier wird der Stör nicht geschlachtet, sondern kann hinterher weiter leben,Fischzucht Eco Ras.

 

 

Gerade habe ich in den Nachrichten gehört, dass die Elbe vertieft werden muss um noch größeren Containerschiffen, die Möglichkeit zu geben Hamburg an zulaufen, dabei haben wir einen Tiefwasser Hafen in Wilhelmshaven, nur dann gehen die Steuern nach Niedersachsen und nicht nach Hamburg. Da sieht man mal wieder sehen, das den Politikern die Natur Scheiß egal ist.

 

Was da wohl die Störe, Lachse, Meerforellen und Co. dazu sagen

 

Caviar Produktion im Iran. Die Fische werden aufgeschnitten und entsorgt.

 

Anfang Februar erscheint das Buch - Störzucht -

 

Eine neue sehr interessante Facebookgruppe Fischzucht und Angelsport

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